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​Von Narziss und Lacan

Wer bin ich - und wenn ja wie viele?

#LeManoirInspiration

Dieser Titel des 2007 veröffentlichten Sachbuchs des deutschen Philosophen und Publizisten Richard David Precht wirft essenzielle Fragen zur eigenen Identität auf. Existiert das unabhängiges “Ich” überhaupt? Und wenn ja, wie sieht dieses wahre “Ich” aus und wie entsteht und formt sich dieses?

Der französische Psychoanalytiker Jacques Lacan stellt in einer erstmals 1939 veröffentlichten Schrift eine Theorie zur Bildung des von Freud bekannten “Ichs” auf. Seine sogenannte Spiegelstadium-Theorie besagt, dass ein Kind im Alter von 6 bis 18 Monaten beginnt, sich selbst als Individuum wahrzunehmen, indem es sein eigenes Spiegelbild erkennt. Durch Gestik- und Mimik-Veränderungen lernt das Kind, sich selbst von anderen Menschen und Dingen in seiner Umgebung zu unterscheiden und bildet ein eigenständiges “Ich”.

In der berühmten, mythologischen Geschichte des Narziss verhält es sich genau umgekehrt. In einer Version dieser Geschichte verliebt sich der gut aussehende Sohn des Flussgottes Kephissos beim Trinken aus einer Wasserquelle in sein eigenes Spiegelbild, das er jedoch nicht als sein eigenes erkennt. Gefangen in dieser unerfüllten Liebe stürzt er sich schlussendlich in das Wasser, um seinem Geliebten endlich nah zu sein und ertrinkt dabei.

Foto:

Foto: Aleksandra Cieslewicz.

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