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"We don't need another hero"

Ausstellungstipp: Berlin Biennale - Teil 1

Artikel
Die 10. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst

Vom 09. Juni bis zum 9. September 2018 findet nun bereits zum 10. Mal die Berlin Biennale statt. Unter dem Titel „We don´t need another hero“ hat die aus Südafrika stammende Kuratorin Gabi Ngcobo mit ihrem kuratorischen Team (Nomaduma Rosa Masilela, Serubiri Moses, Thiago de Paula Souza und Yvette Mutumba) zahlreiche Arbeiten internationaler, zeitgenössischer Künstler*innen versammelt. An insgesamt vier Orten der Stadt, nämlich der Akademie der Künste, dem KW Institute for Contemporary Art, dem ZK/U- Zentrum für Kunst und Urbanistik sowie der Volksbühne Pavillion, können Kunstbegeisterte während der gesamten dreimonatigen Laufzeit die Werke in einzelnen Ausstellungen betrachten. Neben Workshops, Filmvorführungen und Talks findet im Zuge der Biennale zudem im HAU Hebbel am Ufer im HAU2 am 08.08. sowie am 20.08. jeweils eine Performance von Las Nietas de Nonó statt.

Worum geht es?

Die Berlin Biennale findet alle zwei Jahre mit wechselnder Thematik statt. Der Titel der diesjährigen Biennale kommt vielleicht dem einen oder der anderen bekannt vor. Er ist dem gleichnamigen Song von Tina Turner aus dem Jahr 1985 entliehen. Ngcobo erläutert, dass dies eine Zeit wichtiger historischer Ereignisse und politischer Veränderungen war. Allerdings sollte der Titel nicht als festes Thema, sondern eher als Rahmen, bzw. „mindset“ für die gesamte Biennale gesehen werden: „Wir brauchen keinen neuen Helden.

Aber worum geht es konkret? Der knappe, offizielle Einleitungstext, den man auf der Homepage der Veranstalter und an den Wänden der einzelnen Ausstellungsorte findet, kommt mir persönlich zu unkonkret daher: „Die Beteiligten setzen sich mit den anhaltenden Ängsten und Sorgen in unserer heutigen Zeit auseinander – Ängste, die durch die Missachtung komplexer Subjektivitäten vervielfacht werden – und denken und handeln in ihrer Auseinandersetzung über den Kunstkontext hinaus.“ [1]

Darunter konnte ich mir nur vage etwas vorstellen. Nachdem ich allerdings einen Blick in den Ausstellungskatalog geworfen und ein paar Interviews mit der Kuratorin gelesen habe, formte sich in Verbindung mit den gezeigten Arbeiten ein klareres Bild. 

Individuelle Geschichten und Gefühlswelten

Im Großen und Ganzen geht es der Kuratorin und ihrem Team darum, Geschichten, Realitäten, Lebens- und Gefühlswelten von Menschen zu zeigen, die aufgrund unterschiedlicher Faktoren wie Geschlecht, Hautfarbe oder Herkunft gar nicht, oder nur unzureichend, gehört werden. Passend dazu fiel auch die Auswahl der Künstler*innen aus. So stammen viele der gezeigten Werke von weiblichen Künstlern sowie von Künstler*innen aus Asien, Afrika sowie Lateinamerika, die bis auf wenige Ausnahmen nicht zu den ganz großen Namen des internationalen Kunstmarkts gehören, jedoch durch ihre Qualität überzeugen.

Obwohl ein Großteil der Arbeiten das Thema Unterdrückung und Diskriminierung behandeln, sind diese weder sentimental oder moralisierend noch versuchen sie Mitleid zu erzeugen. Ganz im Gegenteil! Vielmehr ermöglichen sie den Besucher*innen die großen und kleinen, mal leisen und mal lauten, aber immer individuellen Geschichten zu hören, die viel zu oft aus Geschichtsbüchern und dem kollektiven Gedächtnis gelöscht oder nie Eingang in diese gefunden haben.


Text: Laura Wolf


[1] https://www.kw-berlin.de/10-be...

Kuratorisches Team der 10. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, v. l. n. r.: Thiago de Paula Souza, Gabi Ngcobo, Nomaduma Rosa Masilela, Yvette Mutumba, Moses Serubiri, Foto: F. Anthea Schaap

Foto 1: Sinethemba Twalo und Jabu Arnell, A Kind of Black: an emergent poetics of the imminent unknown, 2018, Installationsansicht, 10. Berlin Biennale, KW Institute for Contemporary Art, Berlin, Courtesy Sinethemba Twalo und Jabu Arnell, Foto: Timo Ohler

Foto 2: Kuratorisches Team der 10. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, v. l. n. r.: Thiago de Paula Souza, Gabi Ngcobo, Nomaduma Rosa Masilela, Yvette Mutumba, Moses Serubiri, Foto: F. Anthea Schaap

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