Künstlerin Kristiane Kegelmann

Geboren am 12. November 1990 in München, lebt zurzeit in Berlin

Die Künstlerin Kristiane Kegelmann kreiert Skulpturen, und zwar ganz besondere Skulpturen – man kann sie essen, aber das auch nur teilweise. Und was genau man von ihnen essen kann, ist nicht auf den ersten Blick erkennbar, denn die Oberfläche der essbaren Elemente unterscheidet sich oft nicht von den Oberflächen der nicht essbaren Bestandteile des Kunstwerkes. Die dadurch entstandene Verunsicherung der Betrachter ihrer Werke macht ihre Kunst im Ausstellungskontext besonders spannend. 

Le Manoir art hat Kristiane in ihrem Studio besucht. Dort gibt es Schokolade, Früchte, Gemüse, Betonklötze, Drahtgestelle und inmitten diese charismatische Person, die in diesem Interview mehr über sich und Ihre Arbeit verrät.

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Arbeit Was brachte Dich auf die Idee, zu tun, was Du tust? - Kannst du dich an den ausschlaggebenden Moment erinnern?

An einen direkten Moment kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich komme ja aus der klassischen Patisserie und war immer schon ehrgeizig. Als ich in allen Bereichen relativ gut war, habe ich gemerkt, dass das Konzept und auch die Wertevorstellungen in diesem Berufsfeld mir nicht ganz zusagen und nicht mit meinen übereinstimmen. Die Qualität der Produkte leidet immer, sobald sie in irgendeiner Form der Massenproduktion hergestellt und für einen bestimmten Preis verkauft werden – gerade im Bereich „Essen“ besonders hier in Deutschland. Ich möchte nur Zutaten verwenden, mit denen ich mich wohl fühle und die ich auch selbst essen möchte. Zum anderen habe ich gemerkt, dass die Ästhetik in der klassischen Patisserie mir nicht zusagt und ich mich beim Arbeiten eingeengt fühlte. Ich habe dann in Wien schon begonnen zu experimentieren, aber so richtig habe ich damit erst angefangen, als ich nach Berlin gezogen bin. Erst hier in Berlin konnte ich anfangen, wirklich frei zu arbeiten.

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Was war Deine erste Skulptur?

Meine erste Arbeit als freie Künstlerin bestand aus drei an der Wand hängenden, essbaren Elementen, die ich für die Ausstellung „Projektionen“ des Kunstvereins artburst berlin (ehem. Art van Demon//Berlin) gemacht habe. Damals hatte ich noch keine eigene Studioküche und alles war noch ganz am Anfang. Seitdem habe ich mich und meine Arbeit kontinuierlich weiterentwickelt.

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Was Inspiriert Dich und Deine Kunst?

Mich inspirieren architektonische, geradlinige Strukturen. Der komplexe architektonische Aufbau von Gebäuden interessiert mich, weil man diese nicht mit Essen in Verbindung bringen würde. Ansonsten ungewöhnliche Farbkombinationen und Materialien. Für meine größeren Installationen verwende ich oft Metall, Glas, Beton oder wie bei meinem letzten Event „Bazar Noir“, auch Licht. Es handelt sich um ein Zusammenspiel vieler Elemente, die meine Installationen vollenden. Auf diese Weise sind meine Arbeiten weder ausschließlich etwas zum Essen noch reine Objekte, sondern eine Verschmelzung aus beidem. Zudem inspirieren mich KünstlerInnen, die mit ganz wenig Material arbeiten, damit aber viel erreichen, wie z.B. Alicja Kwade. Ich mag Kunst, die auf das Wesentliche reduziert ist und gerade so die größte Wirkung erzielt – genauso geht es mir bei Essen. Es muss für mich nicht soviel Schnick - Schack sein, das ist generell nicht so mein Ding. 

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Was ist die größte Herausforderung bei Deiner Arbeit?

Das ist wahrscheinlich die Realisierung der Ideen, die sich zu Beginn noch in meinem Kopf befinden. Gerade bei statischen Sachen muss man sehr genau planen, da Essbares sehr labil ist und ich bei der endgültigen Realisierung keine zweite Chance habe. Ich kann meine Skulpturen nicht Wochen im Voraus eines Events oder einer Ausstellung herstellen, sondern muss dies wenige Tage davor tun. Wenn dann etwas schiefläuft, ist das ein Problem.

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Von der Idee bis zur Umsetzung – Wie entstehen Deine Arbeiten?

Am Anfang steht die Raumbesichtigung, da sich die Skulptur meistens in den Raum einfügen oder auf ihn beziehen soll. Je nach Größe, Lichtverhältnisse etc. konzipiere ich die Arbeit. Im zweiten Schritt kommen mir dann nach und nach Ideen und ich mache mir erste Skizzen dazu. Diese lege ich ein paar Tage zur Seite und lasse die Ideen sacken. Nachdem ich sie verinnerlicht habe, ändert sich oft nochmal alles, bis ich das Gefühl bekomme: „Das ist es jetzt.“ 

Dann geht es an die Umsetzung, die eine genaue Planung erfordert. Sprich, ich frage mich: Wie groß wird die Skulptur genau? Was brauche ich für Gestelle oder Konstruktionen, muss ich mit einem Metallbauer zusammenarbeiten, mir Glas bestellen oder etwas extra bauen. Wenn ja, muss ich dafür maßgefertigte, genaue Zeichnungen machen und das möglichst früh. Parallel dazu läuft die Planung der essbaren Elemente. Ich muss genau überlegen, was ich machen möchte und was ich dafür benötige. Welcher essbare Inhalt könnte passen? Nachdem alles geplant ist, sind dann die Tage kurz vor der Ausstellung oder des Events sehr intensiv, denn da werden die essbaren Elemente produziert und auf das schon vorhandene Konstrukt aufgetragen. Im Moment habe ich nur eine Assistentin, aber in Zukunft plane ich dafür ein größeres Team.

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Was ist das wirklich Wesentliche in Deiner Arbeit?

Meine Arbeiten hinterfragen die Beständigkeit eines Kunstwerks: Muss ein Werk Jahrhunderte alt sein, um als Kunstwerk zu gelten oder reicht auch ein Moment, um eine starke Erinnerung zu produzieren? 

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Was wurdest Du noch nie gefragt und würdest gerne über Deine Arbeit sagen?

Ich wollte schon immer mal loswerden, dass es schwierig für mich ist, mich mit Leuten auseinanderzusetzten, die meine Arbeit nur mit der Patisserie verbinden. Es gibt mir das Gefühl, nicht verstanden zu werden und macht mich wütend. Gerade Leute aus meinem Bekannten- und Familienkreis fällt es schwer zu verstehen, dass ich komplett anders arbeite als früher, da sie in mir immer noch die Konditorin sehen. Ich mache keinen Kuchen, sondern erschaffe Werke, deren Material unter anderem essbar ist. Nur weil ich anfangs andere Pfade eingeschlagen haben, um zu meinem jetzigen Weg zu gelangen, heißt das noch lange nicht, dass ich nicht künstlerisch arbeiten kann.

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Persönlichkeit Was würdest Du heute Deinem jüngeren Selbst empfehlen und warum?

Ich glaube nicht, dass ich irgendetwas empfehlen würde. Ich denke schon häufig, dass es interessant gewesen wäre, Kunst studiert zu haben, allerdings glaube ich auch, dass ich dann jetzt etwas ganz Anderes machen würde. Und ich weiß nicht, ob das besser wäre. Es wäre vermutlich einfach nur anders

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Was ist für Dich Wahrer Luxus?

Wahrer Luxus ist für mich: Einfach gut essen zu gehen, weil es für mich nicht schöneres gibt, als gutes Essen. Und gutes Essen sollte auch nicht günstig sein, weil es zum einen eben etwas Besonderes ist und zum anderen kann es gar nicht günstig sein, wenn die Qualität gut sein soll. Für mich ist das ein Luxusprodukt. 

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Wahrheit oder Pflicht Bei dieser Interviewrubrik ist der Name Programm.

 Wenn du eine der kommenden drei Fragen bzw. Aufforderungen nicht vollständig beantwortest bzw. erfüllst, muss Du uns etwas zur Verfügung stellen, dass wir auf Facebook verlosen. 

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Verrate etwas ganz Persönliches über dich, dass du noch niemandem erzählt hast!

Das ich noch niemanden erzählt habe?! Das ist aber schwierig, so auf Anhieb…

Meine Schwester und ich haben ein merkwürdiges Merkmal. An meinem linken Ohr befindet sich am oberen Ansatz, am Übergang zum Kopf, ein Loch. Es sieht aus wie ein Piercing-Loch, ist allerdings keines. Meine Schwester hat das gleiche Loch am rechten Ohr. Außer mit ihr habe ich mich noch mit niemandem darüber ausgetauscht. 

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Beschreib dich in drei Worten, die alle mit „A“ anfangen?

Ambitioniert, aufgeweckt, athletisch.

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Erfinde einen schlechten , aber originellen Anmachspruch!

Ich weiß nicht wer du bist, aber ich würde es gerne erfahren. Wie siehst du das? 

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